Einmal um die Welt: Die besten Oktoberfest-Kopien

Was hat das Münchner Oktoberfest mit Seetang und Seifenkistenrennen zu tun? Erst mal gar nichts. Auf den zweiten Blick dagegen ganz schön viel. Denn wie das bayerische Bier ist auch das Oktoberfest ein Exportschlager. Von Australien bis nach Brasilien schießen Feste nach dem bayerischen Vorbild aus dem Boden. Manchmal allerdings mit kleinen, kulturellen Abwandlungen. Wir stellen euch einige Oktoberfest-Kopien vor.

So wird beim Oktoberfest Blumenau gefeiert

So wird auf dem Oktoberfest Blumenau gefeiert

In Brasilien sind die Oktoberfeste im eigenen Land fast genauso wichtig wie der Karneval. Eines der bekanntesten ist das „Oktoberfest Blumenau“. Kein Wunder, bei dem Aufwand: Für das 18-tägige Fest wird extra eine deutsche Blaskapelle eingeflogen, es gibt Weißwurst, Schweinshaxe und Sauerkraut – und natürlich Bier, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde. Ganz so weit hergeholt ist die Idee allerdings nicht. Denn die Ortschaft Blumenau – der Name sagt es schon – ist tief mit Deutschland verwurzelt. Der deutsche Einwanderer Hermann Otto Blumenau hat vor 165 Jahren die südbrasilianische Großstadt gegründet. Das Volksfest selber wurde als eine Art „Trostpflaster“ ins Leben gerufen, um nach Überschwemmungen Anfang der 80er die Geschädigten aufzumuntern und die Wirtschaft anzukurbeln. Mit Erfolg: Vor zwei Jahren haben 450.000 Besucher das Fest besucht und beim Bier ordentlich zugelangt. Denn insgesamt sind rund 530.000 Liter Fassbier geflossen.

America meets bayerische “Guh-MUT-le-kite”

Auch die USA trumpft mit ihren unterschiedlichen Oktoberfesten auf. Denn nirgendwo in der Welt gibt es mehr Oktoberfest-Kopien als in den Vereinigten Staaten. Ein paar Beispiele? Das „Best German Fest in the West“ in Tulsa (Oklahoma) mit mehr als 200 000 Gäste oder eine Oktoberfest-Kopie in La Crosse (Wisconsin) mit dem passenden Motto: „Friendship, Gemutlichkeit and Cheer“. Philadelphia (Pennsylvania) vereint dagegen im „Cannstatter Oktoberfest“ zwei deutsche Konkurrenzveranstaltungen: das Münchner Oktoberfest und den Cannstatter Wasen.
Am bekanntesten ist aber wohl das „Zinzinnati Oktoberfest“ in Ohio. Es dauert nur zwei Tage, hat dafür aber über 500.000 Besucher. Das Volksfest hat alles, was das bayerische Vorbild so ausmacht – angepasst an das amerikanische Verständnis versteht sich: das traditionelle Anzapfen, echtes Münchner Spaten, Würstel, Sauerkraut oder Strudel und ausgefallenen Veranstaltungen wie das Wiener-Würstchen-Wettrennen, Bratwurst-Wettessen oder Hühnertänze. Und natürlich jede Menge bayerisch-amerikanische Gemuetlichkeit [Guh-MUT-le-kite] in den Festzelten. Veranstaltet wird das Zinzinnati Oktoberfest seit 1976 in Andenken an das deutsche Erbe. Daher auch der Name: “Zinzinnati” leitet sich von der deutschen Aussprache des Städtenamens Cincinnati ab.

Der bayerische Maibaum in Kitchener-Waterloo

Der bayerische Maibaum in Kitchener-Waterloo

Allerdings kann Kanada wohl den Titel „Größtes Volksfest Amerikas“ für sich beanspruchen. Denn das “Kitchener-Waterloo-Oktoberfest” besuchen innerhalb von neun Tage rund 700.000 Besucher aus aller Welt. Es beginnt am Freitag vor dem kanadischen Erntedank-Fest und endet am Sonntag darauf. Daher ist die Thanksgiving-Parade eines der Highlights des Festes. Ansonsten orientiert sich das das Kitchener-Waterloo-Oktoberfest stark am Original. In 17 Festhallen gibt es Bier, Bratwurst und Sauerkraut, für die Stimmung sorgt die bayerische “Oompah”-Musik und bayerische Tänze. Außerdem gibt es ein Oktoberfest-Maskottchen: Das heißt Onkel Hans und ist ein rundbauchiger Mann in Lederhosen, Trachtenhut auf dem Kopf, einer Maß Bier in der einen und einer Bratwurst in der anderen Hand. Na dann: Ein Prosit der Gemütlichkeit!

Das afrikanische Pendant zum Oktoberfest in München nennt sich „Oktoberfest Namibia“ und findet in der Hauptstadt Windhoek statt. An den zwei Veranstaltungstagen gibt es neben dem lokalen Bier auch ein eigenes Festbier, das nach dem deutschen Reinheitgebot gebraut wurde, sowie Schweinshaxn, Weißwurst oder Obatzda. Spiele wie das Wettsägen, Maßkrug stemmen oder Hau den Lukas lassen Oktoberfeststimmung aufkommen, genauso wie die Wahl zur Bierkönigin.

Oktoberfest-Kopien im Land der untergehenden Sonne

Auf dem asiatischen Kontinent finden sich  etwas mehr Oktoberfest-Kopien. So bieten Restaurants, Hotels und Clubs im Herbst eigene „originale“ Oktoberfeste an. Zum Beispiel in Phnom Penh (Kambodscha), Singapur, Kuala Lumpur (Malaysia), Taipeh (Taiwan) oder Bali (Indonesien).
Nennenswert ist zum einen die oktoberfestähnliche Veranstaltung im „Renaissance-Yangtze-Shanghai“- Hotel in China. Dort gab es vor gut zehn Jahren zum ersten Mal bayerisches Bier, gebraut von der Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan. Dazu aßen die Gäste landestypisch Leberkäs mit Basmatireis oder Radi mit Seetang.
Zum anderen erfreut sich das „Qingdao Beer Festival“, ebenfalls in China, großer Beliebtheit. Dort haben deutsche Siedler 1903 die Brauerei Tsingtao gegründet. Da war der Weg zu einer Oktoberfest-Kopie nicht weit. Seit 25 Jahren feiern die Chinesen nun mit Paulaner Bier und modernen Dirndln ein bayerisch-chinesisches Volksfest. Bekannt dürften die Preisverhältnisse sein: Die explodieren auf dem Qingdao beer festival nämlich schlagartig. Etwas befremdlich ist dagegen das Programm, bestehend aus Karaoke-Singen, Trink-Wettbewerbe und Bühnen-Performances.

Das kleinste Oktoberfest der Welt ist wohl Australien zuhause. Das „Outback Oktoberfest“ im 68-Seelendorf Jundah ist nämlich weit ab vom Schuss: 16 Autostunden ist das Dorf von der nächsten Metropole Brisbane entfernt.Trotzdem gibt es Paulaner-Bier und deutsche Würstel, die Einwohner kleiden sich in Lederhosen und Dirndl und der Kinderchor singt deutsche Volkslieder. Außerdem finden Seifenkistenrennen – die „Push Pull & Pedal Billy Cart Bash” – statt. 2010 wurde das „Outback Oktoberfest“ zum ersten Mal veranstaltet, seit letztem Jahr wird das Outback Oktoberfest als dreitätige Charity-Veranstaltung im North Gregory Hotel in Winton ausgetragen.

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Das Original in München

Das Original in München

Beispiel in Dublin mit Schuhplattlern und einem Jodel-Wettbewerb. Auch die Schweizer haben ihre ganz eigene Wiesn. Beim „Zürcher Oktoberfest“ auf dem Bauchschänzli werden laut Veranstalter geschätzt 80.000 Liter Bier, 10.000 Weißwürste, 3.400 Hendl, 3.000 Haxn, 8.000 Portionen Kartoffelbrei, 1,7 Tonnen Sauerkraut und 105 Meter Apfelstrudel an 120 Litern Vanillesauce konsumiert. Dafür haben die Besucher aber auch insgesamt einen Monat Zeit – so lange dauert das Fest traditionell. Es gibt zwar keine Fahrgeschäfte, dafür original bayerischen Musikkapelle und andere Anttraktionen.

Aber egal, wie sehr sich andere Länder auch bemühen mögen – sie kommen nicht an deutsche Maßstäbe heran.

Das zweitgrößte Oktoberfest der Welt findet nämlich in Hannover statt. In 16 Tagen kommen rund eine Millionen Besucher auf dieses Volksfest. Doch auch das ist gering im Vergleich zu den rund sechs Millionen Volksfestgästen in München. Das Original ist einfach immer noch am beliebtesten.

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